Interessante Vortragsreihe der Diabetiker-Selbsthilfegruppe Kronberg – Königstein geht nach Stabwechsel nahtlos weiter

Kronberg (mw) – Seit 15 Jahren steht die Selbsthilfegruppe Kronberg-Königstein „Diabetiker helfen Diabetikern“ unter dem Dach des Vereins Diabetiker Hessen für informative Fachvorträge rund um das Thema Diabetes. Dabei werden auch Krankheitsbilder beleuchtet, die nicht nur für Diabetiker wichtig sind, sondern auch für Menschen ohne Diabetes interessant sein können wie beispielsweise das Thema Polyneuropathie (Nervenschädigungen).Gegründet wurde die Selbsthilfegruppe, deren Teilnehmer sich einmal im Monat im Hartmutsaal zum Fachvortrag mit anschließender Fragerunde treffen, vom zwischenzeitlich verstorbenen Diakon Hubert Käfer. Dr. Günter Zerth von der Diabetologischen Schwerpunktpraxis aus Oberursel hatte ihm damals den Impuls gegeben, eine solche Gruppe ins Leben zu rufen, erzählt die Leiterin der Gruppe, Sylvia Anton. Neun Jahre lang fungierte sie als Organisatorin der monatlichen Veranstaltungen der Selbsthilfegruppe, die meist auf großes Interesse stoßen. Zum Ende des Jahres wird sie die Gruppenleitung an Sylvia Jakobitz übergeben, die seit 2011 ebenfalls der Diabetiker-Gruppe angehört. Beide sind der Überzeugung, dass sich der ehrenamtliche Einsatz lohnt, da er den betroffenen Menschen wirklich weiterhilft. Denn Diabetes ist eine Krankheit, die viel Wissen erfordert, gerade über die richtige Ernährung. Umso besser die Diabetiker ihre Stoffwechselprozesse verstehen lernen, über die Zuckeranteile in den verschiedenen Lebensmitteln Bescheid wissen, umso genauer können sie ihre Ernährung auf die Tatsache, dass ihr Körper selbst wenig oder gar kein Insulin über die Bauchspeicheldrüse produzieren kann, anpassen.

Riesige Fortschritte in der Forschung

Hinzukommt, dass die Fortschritte innerhalb der Diabetesforschung riesig sind, wissen die beiden Damen. Beispielsweisemuss sich Sylvia Anton schon seit einigen Jahren kein Insulin mehr spritzen, sondern nimmt ein neues Präparat, das sie bis jetzt gut verträgt und das Folgeerkrankungen minimiert. Ihren Blutzuckerwert kontrolliert sie allerdings täglich noch manuell. Geradebei Kindern mit dem Diabetes-Typ 1, bei denen die Bauchspeicheldrüse gar kein Insulinproduziert, werden heute inzwischen in den Arm kleine Implantate eingesetzt, die über drei Monate regelmäßig Insulin abgeben, kontinuierlich den Blutzuckerwert messen und auch warnen können. „Die zukünftige Entwicklung wird darauf hinauslaufen, dass Messgeräte und Insulinpumpe sich kurzschließen können und der gesamte Prozessautomatisch abläuft“, ist sich Jakobitz sicher. Ungeklärt sei bei der ganzen Automatisierung allerdings noch der rechtliche Aspekt. Was ist, wenn die Technik versagt und der Betroffene ohnmächtig wird und andere Menschen dadurch gefährdet, beispielsweise am Steuer? Neben den immer neuen Methoden in der Behandlung der Diabetikerbleibt für diese die Ernährung ein zentrales Thema. So beginnt das neue Jahr am 22. Januar gleich mit einem Vortrag der Diabetesberaterin Barbar Müller aus der Diabetologischen Schwerpunktpraxis Dr. med. Günter Zerth und dem Thema „Neues aus der Diabetologie und: Es gibt keine Diabetiker-Diät!“ An der Organisation der Vorträge hängen im Vorfeld schon eine Menge Dinge, die die Besucher gar nicht bemerken: „Wir haben jetzt beispielsweise ein neues Laptop finanziert bekommen, haben eine entsprechende Lautsprecheranlage und einen Beamer.“Das Herzstück bleibe aber die hochkarätige Besetzung der Vortragsabende. Sylvia Anton hat hier über Jahre eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Praxen und Kliniken aufgebaut, die auf Diabetologie spezialisiert sind. Bei der Einstellung der Patienten im Krankenhaus oder auch bei Praxisbesuchen fehlt es oftmals an Zeit, alle Fragen zu beantworten. Durch den Austausch in der Gruppe, kombiniert mit den Vortragsabenden, kann viel mehr Wissen über ein Leben mit Diabetesvermittelt werden. Deshalb seien auch die Ärzte an dem Fortbestehen der Selbsthilfegruppe interessiert und nutzten das Angebot gerne, ihre Erfahrungen weiter zu geben. „Ich habe über die Jahre festgestellt, dass ich aus den Treffen viel mehr Nutzen ziehe, als aus der Flut des Internets“, berichtet Jakobitz, die sich im laufenden Jahr bereits eingearbeitet und das Jahresprogramm 2020 bereits gemeinsam ausgearbeitet hat. Ausdiesem Grund kann Jakobitz auch jüngeren Betroffenen raten, einmal vorbei zu schauen. „Wir sind eine offene Gruppe und freuen uns über Zuwachs“, sagt sie. Je nach Thema besuchten15 bis 20 Personen, manchmal auch mehr, die Vortragsreihe. Die Teilnehmer seien 50 plus, der älteste Teilnehmer 93 Jahre alt.

Hilfestellung

„Natürlich haben wir über die Jahre auch selbst viel Wissen gesammelt, das wir gerne weitergeben“, berichtet Anton. „Wir können Kontakte knüpfen und bei ganz unterschiedlichen gesundheitlichen Themen zu den entsprechenden Ärzten vermitteln. Nur medizinische Hinweise geben, das dürfen wir natürlich nicht.“ Oftmals sei aber gerade die unkomplizierte Hilfestellung, die passende Adresse zur rechten Zeit, wichtig, und helfe schon weiter. Hilfreich sei außerdem der Austausch mit anderen Betroffenen, zu wissen, da sind Menschen, die ähnlich gelagerte Probleme haben, die das nötige Verständnishaben. Daneben gibt das gewachsene Vertrauen in die Gemeinschaft Halt. „Wir sind zu einer Gruppe gewachsen, die sich umeinander kümmert. Wenn ich lange von einem Teilnehmer nichts höre, dann nehme ich den Telefonhörer in die Hand und frage nach: Geht es Dir gut?“

Stabwechsel

Zum 31. Dezember wird Sylvia Anton offiziell die Gruppenleitung an die 52-jährige Sylvia Jakobitz abgeben, weiterhin aber als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen. Weitere Themen, die in den Vorträgen2020 behandelt werden, sind beispielsweise „Was macht der Diabetes mit den Gefäßen?“, „Hormone, Gewicht und Diabetes –wie hängt das zusammen?“. Aber auch eine Rechtsanwältin wird zu Gast sein und über Rechte im Alltag berichten sowie die Polizei-Direktion Hochtaunus, die zu einer Gesprächsrunde einlädt und über die neuesten Betrugsmaschen informieren wird. Und wer sich dafür interessiert, was „Kardiovaskuläre Outcome Studien in der Diabetologie“ sind, der wird spätestens im Juni bei entsprechendem Vortrag im evangelischen Gemeindezentrum, Hartmutsaal, Wilhelm-Bonn-Straße 1, Kronberg, die Antwort erfahren. Alle Termine werden über die Presse bekanntgegeben. Wer jetzt noch Fragen hat, kann sich gerne bei Sylvia Anton unter der Telefonnummer 06173-640457 oder bei Sylvia Jakobitz unter 06173-66224 melden oder eine E-Mail schicken an diabetiker.kronberg@gmail.com.

Quelle: KRONBERGER BOTE Donnerstag, 28. November 2019

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.