Die Mitgliedschaft in einer unabhängigen organisierten Selbsthilfe verschafft Diabetes-Betroffenen die Möglichkeit zur Mitbestimmung, denn der Einfluss der DDF als Patientenvertreter auf gesundheitspolitische Entscheidungen ist direkt vom Engagement des Einzelnen abhängig. Nicht Mitglied zu sein bedeutet das stille Einverständnis.

Die 7 Millionen Diabetikerinnen und Diabetiker in Deutschland sind immer noch in viel zu geringem Umfang organisiert. Das schmälert ihre Einflussmöglichkeiten, denn Politiker oder Ansprechpartner in Entscheidungsgremien machen die Bedeutung einer Organisationhäufig an der Anzahl ihrer Mitglieder fest. Damit schwächen niedrige Mitgliederzahlen die Selbsthilfe-Organisationen und verdammen sie auch ein Stück weit zur Bedeutungslosigkeit. Bei den hohen Betroffenenzahlen im Diabetes-Bereich ist dies besonders gravierend, kommen doch die Ergebnisse der Anstrengungen der Selbsthilfe in der Regel allen Diabetes-Betroffenen zugute, nicht nur den organisierten.

Selbsthilfe in der Zwickmühle.
Es ist ein Dilemma für die Selbsthilfe! Wird die erreichte Versorgungssituation von vielen Betroffenen als relativ gut wahrgenommen, ist dies nicht zuletzt auch auf das Engagement unabhängiger Selbsthilfe-Organisationen zurückzuführen. Diese Situation erzeugt jedoch bei den Diabetes-Betroffenen keinen Leidensdruck für eine Mitgliedschaft in einem Selbsthilfe-Verein. Ein persönliches Engagement wird tendenziell als nicht notwendig erachtet. Bei der Politik beschwört dies die Fehlinterpretation einer zufriedenstellenden Versorgungssituation herauf. Damit wächst die Gefahr, dass zuvor hart erkämpfte Leistungen dem Sparzwang im Gesundheitswesen zum Opfer fallen und wieder zurück genommen werden – es wehrt sich ja niemand. Für die Sicherung und den Ausbau der Versorgungsqualität der Diabetiker muss über viele Jahre hinweg ein konstant hoher Druck auf Gesundheitspolitik und Entscheidungsgremien aufrecht erhalten werden. Doch anstelle desbenötigten Drucks wird immer nur ein laues Lüftchen wehen, wenn es bei diesen niedrigen Mitgliederzahlen bleibt. Es bedarf neuer Strategien und der Bündelung von Kompetenzen, um mehr Diabetikerinnen und Diabetikern dieses Bewusstsein zu vermitteln und um sie zu mobilisieren. Denkbar sind hierbei Partnerschaften zwischen unabhängiger Selbsthilfe und finanzkräftigen Öffentlichkeitsarbeits-Initiativen wie der Deutschen Diabetes-Hilfe (diabetesDE). Deren professionelles Kampagnenmanagement könnte sowohl ein Problembewusstsein schaffen und die notwendige Mobilisierung der Betroffenen auf den Weg bringen als auch wichtige Forderungen der Selbsthilfe in der öffentlichen Meinungsbildung artikulieren. Zugang zum G-BA ist entscheidend. Die Deutsche Diabetes-Hilfe ist ein Sprachrohr mit Gewicht in der Branche. Sie ist keine Patientenorganisation, sie vertritt auch die Interessen der Diabetes-Behandelnden und sie kann keinen Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) stellen. Den direkten Zugang zu den Entscheidern haben die Selbsthilfe-Verbände. Einzig und allein der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet, welche Leistungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Medienwirksame Gespräche mit dem Gesundheitsminister beeinflussen diese Entscheidungen nicht. Eine gewinnbringende Partnerschaft entsteht, wenn es beiden Akteuren gelingt, ein Problembewusstsein in der breiten Öffentlichkeit zu erzeugen, und die Selbsthilfe-Verbände eine Stärkung erfahren.

„Wie viele Mitglieder habt Ihr denn?“
Das Fundament von all diesen Bemühungen sind die Millionen Diabetes-Betroffenen. Also Sie! Werden Sie Mitglied, geben Sie Ihre Stimme einer Selbsthilfe-Organisation, wie zum Beispiel der Deutschen Diabetes Föderation (DDF). Damit die Diabetes-Selbsthilfe Ihre Interessen in Zukunft mit Nachdruck vertreten kann.

 

Quelle: DJ 10–2019 – DEUTSCHE DIABETES FÖDERATION

 

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