
PD Dr. med. Dr. med. dent. Dr. med. habil. Oliver Ludger Seitz M. sc., Stephan Thomas, Dr. med. Jens Oliver Schuster
Bedeutung der richtigen Mundhygiene für Menschen mit Diabetes
Mundgesundheit – Relevanz für die Diabetestherapie
Ein Bericht von Dr. med. Jens Oliver Schuster, PD Dr. med. Dr. med. dent. Dr. med. habil. Oliver Ludger Seitz M. sc., Stephan Thomas
Der Hausarzt und der Diabetologe sind die wichtigsten Ansprechpartner für Patienten mit Diabetes mellitus. Viele Aspekte beeinflussen die Regulierung des Blutzuckerspiegels. Der bekannteste Baustein ist die Ernährung. Eine zentrale Rolle spielt der Sport, aber auch die Mundgesundheit hat eine Bedeutung für die Diabetestherapie.
Wie beeinflusst die Mundgesundheit den Blutzuckerspiegel?
Als Mensch mit Diabetes weiß man, dass bei Fieber, Entzündungen und Stress mit viel Kortison-Ausschüttung der Bedarf an blutzuckersenkenden Mitteln steigt. Zahnabszesse können ein deutlicher Hinweis auf Probleme bei der Blutzuckereinstellung des Betroffenen sein. Eine andere Form der Entzündung im Mund ist die Zahnfleischentzündung, von der leichteren Gingivitis bis zur schwereren Parodontitis, bei der nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch der Zahnhalteapparat, also die Struktur, die den Zahn im Knochen hält, betroffen ist.
Es hat sich gezeigt, dass ein gesundes Zahnfleisch dazu führt, dass man weniger blutzuckersenkende Medikamente wie Insulin braucht.
Was kann man als Betroffener selbst tun?
Eine gute regelmäßige Mundhygiene, welche die Beläge der Zähne am Zahnfleischrand entfernt ist bedeutsam für eine gute Einstellung des Blutzuckerspiegels. Da gibt es zum einen natürlich die mechanische Reinigung, um die Beläge systematisch zu reduzieren. Zum einen erfolgt dies im Rahmen der regelmäßigen professionellen Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis. Für eine gute Mundgesundheit ist jedoch eine tägliche Reinigung unabdingbar. Die klassische Zahnreinigung mit der Zahnbürste – Zähneputzen – ergänzt durch die Verwendung von Zahnseide und Interdentalbürsten ist notwendig. Dreimal tägliche Rundumhygiene ist ein guter Weg. Manche Menschen mit Diabetes bilden schneller Beläge als andere. Bei ihnen kann auch eine häufigere Zahnreinigung notwendig sein, um den gleichen Erfolg zu erzielen.
Welche Zahnbürste – welche Hilfsmittel?
Für die Zahnbürste gilt, dass ein möglichst kleiner Zahnbürstenkopf und möglichst weiche Borsten vor eventuellen Zahnputzschäden schützen. Wichtig ist die mechanische Reinigung, egal ob mit der Handzahnbürste oder der elektrischen Zahnbürste. Die Größe des Zahnzwischenraumes bestimmt, ob Zahnseide und/oder Interdental- bürsten verwendet werden sollen. Mundspüllösungen können unterstützend wirken, können jedoch die mechanische Reinigung nicht ersetzen. Fragen Sie hierzu Ihren Zahnarzt.
Was tun, wenn das Zahnfleisch blutet?
Zahnfleischbluten deutet auf eine Entzündung des Zahnfleisches hin, weil entzündetes Gewebe stärker durchblutet wird. In diesem Fall muss die Reinigung vorsichtig aber bestimmt durchgeführt werden. Es kann im Durchschnitt eine Woche lang dauern, bis unter konsequenter Entfernung der Beläge kein Zahnfleischbluten mehr auftritt. Wichtig ist also, bei Zahnfleischbluten weiter zu reinigen und die Reinigung nicht zu vermeiden.
Auf diese vergleichsweise einfache Weise können Sie Entzündungsherde im Mund in den Griff bekommen oder komplett vermeiden.
Kurzfristig kann sich eine gut durchgeführte Mundhygiene auf den aktuellen Blutzuckerspiegel auswirken und somit den Medikamentenbedarf für die Diabetestherapie vermindern. Der HbA1c Wert spiegelt den Einfluss auf lange Sicht wider. Mit diesen Werten ist der Betroffene sehr vertraut.
Fazit:
Mundhygiene in der beschriebenen Weise ist ein wertvoller Baustein in der Diabetestherapie und jeder kann seinen Diabetes langfristig günstig beeinflussen!
Vor diesem Hintergrund hat Stephan Thomas (Vorsitzender der Diabetiker Hessen e.V., DHE) eine Kooperation der DHE und der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Klinikum Darmstadt ins Leben gerufen. Im Rahmen der vereinbarten Kooperation wurde gemeinsam bereits eine sehr erfolgreiche erste Mitgliederfortbildung durchgeführt. Die Klinik ist für Patienten mit besonderen Bedürfnissen (z.B. zahnmedizinische Versorgung unter stationären evtl. anästhesiologischen Bedingungen) ausgelegt und steht allen Mitgliedern der Diabetiker Hessen e.V. gerne beratend, aber auch behandelnd zur Seite.
QUELLE
DHE August 2026, Stephan Thomas
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Klinikum Darmstadt, Dr. med. Jens Oliver Schuster, PD Dr. med. Dr. med. dent. Dr. med. habil. Oliver Ludger Seitz M. sc.

©paritätischer